Erfahrungsberichte

Action-Woche 2009

Flossbau

Wir (eine Großstadtfamilie mit zwei Jungs im Alter von 11 und 12 Jahren) waren im letzten Jahr (2009) bei der Action-Woche dabei und hatten eine herrliche Zeit im Harz. Selten haben wir im Urlaub so viel Zeit wirklich miteinander verbracht (und nicht indem man nur nebeneinander her wandert oder am Strand liegt). Oft waren gemeinsame Lösungen gefragt (z. B. beim Floßbau oder der Schatzsuche), so dass es zu einem teilweise lebhaften Austausch zwischen Eltern und Kindern kam. Hier ist Teamarbeit gefragt und nicht die sonst zum Teil erforderliche »Diktatur« der Erwachsenen. Das Programm fing bei uns mit der GPS-Schatzsuche an …

Nach einer kurzen Einweisung in die Bedienung des Gerätes ging es auch schon los … tja, nur wohin? Bereits das erste Rätsel löste Verwirrung aus. Nach einiger Sucherei fand sich jedoch des Rätsels Lösung, das Ergebnis wurde in das Gerät eingegeben und es ging halb gehend, halb rennend zum nächsten Punkt … dort angekommen und nun allein auf uns gestellt, stellte sich die Frage … wie war das doch mit der Eingabe??? Wer hat aufgepasst???

Nach einigem hin und her klappte der Umgang mit dem GPS-Gerät und die Suche ging weiter … zunächst über Wanderwege … doch dann … laut GPS am genannten Punkt angekommen, fand sich nicht des Rätsels Lösung … Die Kinder wurden in verschiedene Richtungen auf die Suche geschickt, während wir die Getränke und Naschereien auspackten und bald fand sich der nächste Hinweis (wo und was es war, wird hier nicht verraten …). Nun wurde es abenteuerlich … zeigte das Gerät doch einen Weg mitten durch den Wald an … wieder eine kurze Debatte ob nicht der Weg zu nehmen sei (ich) oder man wirklich mitten durch den Wald sollte (mein Mann), auch die Jungs waren sich nicht einig, aber da wir uns nicht auskannten hieß es nichts wie durch … die Jungs waren begeistert, mein Mann auch, und ich … naja … bin halt auch mitgekraxelt … natürlich nicht einfach so durch den Wald sondern bergab(!). Unsere Bemühungen wurden jedoch bald belohnt durch den nächsten Hinweis (der übrigens an einem Weg(!) stand …). Und wieder ging es zurück an einem kleinen Bächlein entlang und – natürlich diesmal ohne weitere Diskussion – mitten durch den Wald bis zu einer Lichtung … mit einer Pferdekoppel … was nun? Ein Weg außen herum war nicht erkennbar, die Nadel zeigte gerade hindurch, hm … nach längerem Beäugen der Tiere und Beratschlagen, was denn besser sei, vor Pferden zu flüchten oder einen eventuell großen Umweg in Kauf zu nehmen, hieß es Augen zu und durch … Zum Glück standen die Pferde etwas weiter weg, so dass wir ihnen nicht zu nahe kamen und die Koppel dann auch bald wieder ohne weitere Zwischenfälle verlassen konnten. Zurück auf dem Weg waren wir – oh Wunder – auch kurz vor dem Ziel (das natürlich hier ebenfalls nicht verraten wird …). Alles in allem eine abenteuerliche Tour querfeldein, gespickt mit kleinen Rätseln, die das »Wandern« für die Kinder weitestgehend zum Spaß werden lässt.

Hochseilgarten

Später durften wir uns dann noch im Hochseilgarten vergnügen (das Vergnügen setzt – außer bei den meisten Kindern – erst bei der zweiten oder dritten Tour ein, also nicht aufgeben ;-), irgendwann überwindet man die Höhenangst … wenigstens halbwegs. Ein Highlight ist die Seilrutsche, die wir so noch in keinem anderen Hochseilgarten erlebt haben. Die Geschwindigkeit ist berauschend.

MTB

Mountainbike-Tour mit Floßfahrt … was würde uns wohl erwarten …? … zunächst einmal … viele Fahrräder ;-) … in allen erdenklichen Größen … da war für jeden etwas dabei und schon nach kurzer Probefahrt hatte jeder sein Fahrrad herausgesucht. Während die Männer die Autos zum Zielort am See brachten, drehten die Jungs schon einmal ein paar Runden auf dem Parkplatz am Kurhaus und erhielten eine Einweisung in das richtige Schalt- und Bremsverhalten (das Ganze auf so eine nette Art und Weise, dass es auch wirklich befolgt wurde). Und dann ging die Strampelei los. Die Kilometerangabe ließ uns lächeln … das lohnt ja gar nicht …, das Profil der Strecke war jedoch anders als daheim. Schon nach den ersten Metern war klar … uff … das wird anstrengend … Also hieß es neben den diversen Höhenmetern vor allen Dingen den inneren Schweinehund zu überwinden, der einen absteigen und schieben lassen wollte … aber wer gibt schon gerne vor den eigenen Kindern auf? Die Blöße will frau sich dann doch nicht geben … also Zähne zusammenbeißen und durch und oben angekommen glücklich und zufrieden den Sieg über den eigenen Körper genießen. Die Abfahrt könnte einen glatt entschädigen für die Strapazen, bei uns ging es dann aber weiter in flottem Tempo (mann war ja gerade warm geworden) und am Ziel angekommen genießt man es, den erschöpften Körper auf einem Stuhl zu lagern und sich bei einem kühlen Getränk in netter Runde zu unterhalten und zu entspannen …

… aber war da nicht noch etwas? Oh weh, die Kinder wollen unbedingt noch ein Floß bauen. Seufz …es war doch gerade so schön gemütlich … Nun hieß es sich noch einmal aufzuraffen und Seile, Bretter und Fässer an den Strand zu schaffen, denn vor der Floßfahrt stand der Floßbau!

Aber was tun mit den ganzen Einzelteilen??? Wie schafft man es nur daraus ein tragfähiges Floß zusammenzubauen? In zwei Gruppen (wir hatten noch eine Mutter mit ihren ebenfalls 11 und 12 Jahre alten Jungs als Helfer) versuchten wir nun um die Wette die Flöße fertig zu stellen. Zum Glück hatte mein Mann eine Idee und konnte uns andere entsprechend anleiten, sonst hätten wir wahrscheinlich noch am nächsten Tag hilflos dort gestanden ;-). Da gab es für jeden etwas zu tun. Die Hölzer für den Unterbau mussten sinnvoll mit Seilen befestigt werden, die Bretter darauf möglichst eng aneinander gelegt und miteinander und mit dem Unterbau verbunden werden (kann nicht jemand schnell bei dem anderen Team ein langes Seil klauen gehen …) … alles sollte möglichst gut befestigt werden, schließlich sollte das Floß uns alle (immerhin 7 Personen) tragen. Zum Schluss wurden noch die Tonnen befestigt, auch hier wurden alle benötigt, ein Teil zum Hochstemmen der gefertigten Platte, der andere Teil zum Heranschaffen und Vertäuen der Fässer (kleiner Tipp … es geht auch anders ;-) …). Kurze Fotopause auf dem Trockenen und dann die bange Frage … wird es auch schwimmen? Oder müssen wir die Einzelteile wieder an Land ziehen? Kurz und gut – es schwamm! Wir waren alle auf dem Floß unterwegs und die Jungs tobten durch das Wasser, teils als Antrieb unseres Floßes, teils zum Entern des anderen Floßes … da waren die Strapazen der Radtour schnell wieder vergessen. Alles in allem ein rundum gelungener Tag.

Flossbau

Übrigens … wer denkt, dass die Kinder danach den ganzen Abend k.o. sind, der hat sich getäuscht. Sie müssen irgendein besonderes »Erholungsgen« in sich haben … während wir unsere müden Knochen auf der Couch lagerten, rannten sie schon wieder durch die Wohnung … irgendwie unfair ;-).

Am darauffolgenden Tag hieß es Felsklettern. Mit dem Auto ging es zu einer Felsgruppe, an der wir es uns erst einmal gemütlich machten, während die Halterungen befestigt wurden. So hätte es eigentlich bleiben können … aber das Programm hatte ja etwas mit »Action« zu tun … Fest verzurrt und angeseilt hieß es dann sich an kleinen Felsvorsprüngen hinauf zu bewegen mit vielen gutgemeinten Ratschlägen von unten, deren Befolgung nicht immer ganz einfach war (was tut man denn, wenn einem doch glatt 5 cm bis zum nächsten Vorsprung fehlen, der von allen als die beste Lösung angesehen wird?). Der Ausblick – wenn man denn oben angekommen ist – war einfach herrlich (ich bin nicht ganz so dafür zu begeistern und wollte lieber schnell wieder runter, aber das kann ja jeder für sich entscheiden). Sich dann wieder über die Kante nach hinten zu lehnen und abzuseilen war die nächste Herausforderung, aber anders ging es nicht, also hieß es auch hier wieder die Angst zu überwinden, um bald darauf erleichtert wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Wichtig war vor allem das Vertrauen in die Helfer (ich hätte mit Sicherheit sonst nicht das Wagnis auf mich genommen), die hier mit einer Professionalität am Werke waren, dass man gar nicht weiter darüber nachdenken musste. Die Jungs erkundeten bald die Umgebung und vergnügten sich auf den umliegenden Felsbrocken, übten dort das Klettern oder genossen die Aussicht und naschten von den mitgebrachten Leckereien. Langeweile gab es nicht.

… und wieder erwartete uns eine ungewohnte Sportart … Kanu fahren. Die vier Jungs – glücklich miteinander – wollten unbedingt alleine ein Kanu nehmen … ob das wohl gut gehen würde? Wir zwei Frauen und mein Mann nahmen daher ein anderes Kanu.

Bei den Kindern stellte sich schnell heraus, dass Kanu fahren durchaus Probleme mit sich bringt, sowohl von der Technik her aber vielmehr auch von der Kommunikation untereinander … wer ordnet sich denn nun wem unter? Während etlicher Diskussionen über die Schuldfrage lief so gut wie gar nichts. Zwei von ihnen wurden daher rasch auf andere Boote verteilt, die anderen Beiden versuchten es zunächst alleine, bis mein Mann sich dann entschied, ihnen zu helfen und zu ihnen überwechselte. Damit hatten wir zwei Frauen das Boot für uns alleine, was ebenfalls zu einer gewissen Entspannung führte ;-) … als »Ehe«paar sollte man es sich gut überlegen, ob man gemeinsam in ein Kanu steigt (sofern man es nicht gewöhnt ist). So eine Kanufahrt sorgt für reichlich Zündstoff in der Beziehung … Unsere Kinder fanden die Kanutour reichlich anstrengend, es fehlte die nötige Armkraft. Zum Trost sind wir gleich anschließend ins Spaßbad nach Bad Lauterberg gefahren, so dass sie doch noch auf ihre Kosten kamen …

Wir hingegen haben die Natur weitestgehend genossen, auch wenn sie uns manchmal zu nahe kam … zur Freude aller fanden wir zwei Frauen uns zwischenzeitlich in dichtem Gestrüpp am Flussufer wieder und mussten uns abmühen wieder herauszukommen und über Beifahrer wie Käfer und Spinnen konnten wir uns auch nicht wirklich freuen. Aus Angst vor dem heraufziehenden Gewitter – man hörte schon immer das Donnergrollen in der »Ferne» – legten wir uns nach dem letzten Stopp mächtig ins Zeug und waren dann froh, als wir mitsamt Kanu aus dem Wasser waren.

Die Kinder können auf »ungefährliche« Art an ihre Grenzen gehen; es ist für sie ein Erlebnis, in bestimmten Dingen besser dazustehen als die Eltern (und ihnen Tipps zu geben, wie z. B. im Hochseilgarten) oder es ihnen zumindest gleichzutun. Das hebt das Selbstwertgefühl, ganz abgesehen von dem befriedigenden Gefühl, etwas geleistet zu haben und Anerkennung zu bekommen. Nicht zu vergessen der Stolz, wenn man nach dem Urlaub den Freunden alles erzählen kann …

Für uns war es äußerst angenehm, sich nicht Gedanken machen zu müssen, was denn am nächsten Tag unternommen werden könnte incl. der damit verbundenen Auseinandersetzungen mit den Kindern. Am Abend war – nach dem anstrengenden Tagesprogramm – »Entspannung« angesagt (mit Buch oder Gameboy) … und die Erlebnisse des Tages wurden noch einmal ausgiebig erörtert.

Auch die Essensfrage war schnell geklärt … fürs Picknick wurden Brötchen und Würstchen, Äpfel und Kekse sowie reichlich Getränke eingepackt.

Bei dem vorgegebenen Programm kamen alle auf ihre Kosten und auch wenn das eine oder andere mal ein wenig anstrengend war (Mountainbike fahren) oder nicht gleich wie gewünscht klappen wollte (Bogenschießen), war dies doch im nächsten Moment wieder vergessen. Alles konnte, nichts musste getan werden … wer nicht (mehr) klettern wollte, fotografierte oder ging spazieren, wer nicht radeln wollte, fuhr mit dem Auto zu einem Treffpunkt.

Ein Lob den Verantwortlichen, auf die »Guides« konnte man sich voll und ganz verlassen, sie vermittelten immer ein Gefühl der Sicherheit, was insbesondere beim Klettern, gleich ob im Hochseilgarten oder am Felsen äußerst hilfreich war. Der Umgang mit den Kindern war freundlich aber bestimmt, so dass die vorgegebenen Regeln ohne Murren befolgt wurden, gab es doch auch so genug zu erleben und reichlich Zeit sich auszupowern. Am Ende des Urlaubs stand fest … wir kommen wieder … 2010!

Familie Snigola aus Berlin

Bergsport Arena GmbH – das Naturerlebnis im Harz!